zu Hause: Nach der ersten Woche
Freitag, 6. Oktober 2006
Nach der ersten Woche
Die erste Woche war sehr aufregend fuer mich und ich bin froh, dass Wochenende ist und ich ausspannen kann. Also nutze ich die Zeit, um die letzten Tage Revue passieren zu lassen.

Praktikum
Ich hatte immer wieder Tiefs. Das erste kam am Dienstag, als ich ziemlich frustrierende Arbeit machte. Ich musste Listen aufstellen ueber Sachen in einer fremden Sprache, deren Bedeutung ich wohl auf deutsch nicht verstehen wuerde. Zudem bekam ich das alles schlecht erklaert und ich traute mich nicht nachzufragen. Gleich durchfuhr mich der erste Heimwehschock.

So schlimm blieb es aber nicht und ich rueckblickend kann ich sagen, dass ich eine richtig gute Woche hatte. Hier am Krankenhaus wird ein neues Gebaeude gebaut, was sie in knapp 2 Monaten eroeffnen und ich durfte gestern schon einmal durchgehen. Ausserdem habe ich ein paar nette Leute kennengelernt, die sich viel Muehe mit mit geben, so dass sich mein Englisch rasant verbessert.

Da ist zum Beispiel Lisa: Sie ist die Sekretaerin vom Chef und sie ist soooo lieb. Dabei sieht sie so englisch aus, ich kann mir nicht vorstellen, dass es solche Menschen wie sie irgendwo anders gibt. Sie beherrscht die Hoeflichkeit und das Singen beim Sprechen und gibt mir das Gefuehl, dass sie mir immer helfen koennen wird, egal welcher Mist mir hier passiert.

Heute habe ich sogar ein nettes persoenliches Gespraech mit Helen gehabt, die ich erst fuer unsympathisch hielt. Wir unterhielten uns ueber unsere Beziehungen, sie erzaehlte viel von ihrer Situation, die wesentlich komplizierter ist als meine. Ihr Freund wohnt in Trinidad oder Tobago und sie ueberlegt, ob sie mit den beiden gemeinsamen Kindern dahinziehen soll.
Sie ist heute nicht aufgetaut, sondern nahezu explodiert.

Ich sehe es als eine grosse Herausforderung an, herauszukriegen, zu welchen Ausbruechen die kuehlen Englaender noch faehig sind.


Freizeit
Obwohl ich noch keine Freunde hier gefunden habe, bin ich noch an keinem Tag direkt nach der Arbeit nach Hause gegangen. Ich war ziemlich viel shoppen und habe eine Menge gesehen:

Docklands
Am Dienstag, nachdem die Arbeit sehr frustrierend war, bin ich in die Docklands gefahren, diesem neuen Buero-und-Einkaufs-Hochhaus-Komplex-mit-fahrerloser-U-Bahn.

Schon bevor ich ankam hatte ich heftiges Herzklopfen und freute mich sehr auf meine Erkundungstour. Und es war in der Tat ueberwaeltigend: Als waere ich in einen Science-Fiction-Film gefallen. Wolkenratzer so weit das Auge reicht, mit so viel Glas und so geraeumig gebaut, wie es geht.

Ein riesiges Einkaufszentrum, die modernste U-Bahn-Haltestelle, die ich je gesehen habe (canary wharf), irgendwo eine riesige Werbeleinwand, Wolkenkratzer, die bei einem Blick in das Erdgeschoss aussehen, als staenden sie leer, aber bestimmt voll von Aliens, Milliardaeren und nackten Frauensind. Und dann tanzen da alle drin, nehmen Drogen und so weiter. Immer wieder gab es zwischendrin kleine Gruenanlagen, die auch wirklich gruen sind. Auf das schwimmende chinesische Restaurant bin ich nicht gegangen, dafuer habe ich versucht, einige Anregungen von den Kleidungen der zahllosen Geschaeftsmaenner zu gewinnen. Achja, und die Versteigerung von Lehmanss Spickzettel ist sogar hier ein Thema.

Der Versuch, es in einem Wort zu beschreiben?
TotalueberraschendIneverhaveseensomethinglikethisbeforeueberforderndueberwaeltigendichwilldawohnenundDrogennehmenundmitdenMaedelsunddenMilliardaerentanzen.

Regenschirm
Ich habe einen Regenschirm bekommen. Allerdings erst gestern. Vorgestern kam mir etwas dazwischen:
Nach der Arbeit fand ich ziemlich schnell einen. Doch ich wollte noch in anderen Laeden nach einem schoeneren schauen. Ich wuerde ja spaeter wiederkommen koennen, dachte ich.

Das tat ich dann auch, aber der Laden hatte schon zugemacht. Es war gerade mal halb sechs. Gestern bin ich dann zu einem Einkaufszentrum gefahren, dass Donnerstags bis neun offen hat und da bin ich endlich fuendig geworden. (Merke: Von jetzt an jeden Donnerstag shoppen gehen.)


Kino
Gestern war ich im Kino und habe mir Click angesehen. Toll war der Film nicht, aber er hat mich trotzdem mitgenommen. Mir ist etwas passiert, was ich so vorher nicht kannte: ich musste weinen. Als Adam Sandler erkannte, dass er seine Familie vernachlaessigt hat, wurden meine Augen feucht, ich liess es einfach geschehen und eine kleine Traene lief meine rechte Wange herunter.

Das alles hier nimmt mich wohl doch schon irgendwie mit, aber fuer mich war es eine tolle Sache. Ich nehme mir bestimmt seit 10 Jahren vor, endlich mal im Kino zu weinen. Gestern habe ich es endlich geschafft.


Britische Gerichte diese Woche:
- Custard (war fuerchterlich)
- Fish & Chips (koestlich, aber zu wenig)
- Trifle von Marks & Spencer (ein gutes Abendessen)

... comment

 
Was Ist Custard?
Hi Gabi,

was ist Custard? Hört sich ja nicht wirklich delikat an. Hier ist schönes Wetter und ich habe meinen Londonflug gebucht. Heisa!!

... link  


... comment
 
Hi Gabi,
Habe mir gerade Deinen Text noch mal durchgelesen Du hast ja im Kino geweint das ist ja wahnsinn. Du scheinst jede Menge aufregender neue Dinge zu erleben und dann bist Du auch noch Auto gefahren. Habe großen Respekt vor Dir bei all den linksrumfahrenden Engländern.
LG. Wibke

... link  


... comment