zu Hause: 2006-11-30
Donnerstag, 30. November 2006
Lustige Leute
Heutiger Musiktipp: "Moment without an End" von Big D and the Kids Table.

Elvis ist ein lustiger Mensch. Er ist ein molliger Schwarzer, mit schlecht entspiegelter Brille, um die 50. Wenn man in seinem Büro sitzt und mit ihm redet, lehnt er sich zurück, erzählt Geschichten und hört gut zu. Leider ist er ziemlich schlecht zu verstehen. Also muss man während seinen Monologen immer freundlich Nicken und so tun, als verstehe man alles. Und hoffen, dass er den wichtigen Punkt nochmal wiederholt, dass man auch darauf antworten kann. Elvis kommt aus Ghana und hat in Russlan studiert.
Wenn man selbst erzählt, freut er sich und lacht einen mit seinen weissen Zaehnen an.
Und wenn ihm gefällt, was man sagt, lehnt er sich noch mehr zurück. Dann strahlt er, streckt die Hände nach vorne, mit den Handflächen nach oben und sagt: "Thankyou. Thankyou."
Dabei nickt er zustimmend. Deshalb gebe ich mir Mühe, wirklich interessante Sachen zu sagen. So eine aufopfernde Zustimmung ist eine nette Belohnung.

Vor zwei Wochen habe ich ihn das erste Mal gesehen. Heute war ich noch mal bei ihm. Es roch interessant nach einem Reisgericht in seinem Büro. Erst traute ich mich nicht, etwas zu sagen. Aber netterweise erzählte er irgendwas von lunch, also nahm ich an, dass ich sagen konnte, dass es nach Essen riecht. Und er hat sich gefreut und sich entschuldigt.

Erst sass ich so, dass sein schwarzes Gesicht direkt vor seinem hellen Fenster war, so dass ich ihn nicht erkennen konnte. Er war nur eine Silhouette. Also setzte ich mich um. Dann fiel das Licht so ein, dass sich das Fenster in seinem rechten Brillenglas spiegelte. Also sah ich ihm ins linke Auge.
Wir sprachen ueber Clinical Governance und ich verstand ihn besser als beim Smalltalk am Anfang. Danach nahm er mich mit zu einem Meeting zu Risk Management. Als es vorbei war, kam er zu mir, lächelte mich an, und fragte mich, wie es mir gefallen hat. Elvis ist ein netter Mensch.


Auf dem Heimweg ging ich im Dunkeln durch einen Park. Ausser mir war niemand dort. Ich stellte mir vor, wie mein kleiner Kreis so gross wie der ganze Park ist und dass um den Park herum 5 Milliarden Menschen waren, die in ihren Kreisen leben. Sie waren auf ihrem Heimweg, kochten, schliefen, spielten Fussball, Glotzten, sassen auf dem Klo, suchten etwas zu Essen, wachten auf, hatten Sex, lasen ein Buch, überlegten sich, das Licht anzumachen, schrieben Emails an Freunde, waren auf Beerdigungen, dachten an einen guten Freund, den sie lange nicht mehr gesehen hatten, langweilten sich.

Obwohl ich alleine in dem Park war: einsam war ich nicht. Und ich dachte: Das Schöne an Heimweh ist, dass man etwas hat, was man vermissen kann.
Was hast Du um halb sieben deutscher Zeit gemacht?


Wenn der Linienrichter beim Fussball eine Abseitsstellung anzeigt, sagen die Kommentatoren in Deutschland: "Die Fahne ist oben". Was sagen sie in England?
There is the flag.
The flag is shown.
The flag is at the head.
The flag is up.
He is showing the flag.

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Erstellt von milkyway am 2006.11.30, 21:55.

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